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Unterwegs sein zu sich selbst
Amelies geheime Träume: Mit ihrem Buch entführt Andrea Zaia den Leser in die Welt eine kleinen Mädchens, das anders ist als andere Kinder.
Gospiteroda. (tlz) Mit vierzehn Jahren war ihr klar: Ich glaube an Gott, ich glaube an die Bibel. Eine Erkenntnis, mit der sie damals nicht hausieren gegangen ist, die aber fortan ihren Weg bestimmt hat. Der war nicht immer gradlinig, führte sie aus ihrem Dorf Gospiteroda an andere Wohnorte und schließlich wieder zurück. Ohne dass Andrea Zaia nun das Gefühlt hat, angekommen zu sein. Sie sei, sagt die Frau, noch immer unterwegs - zu sich selbst, und wenn sie ihre innere Heimat gefunden habe, sei es schließlich egal, wo sie wohne.
Amelie geht es ähnlich. Auch sie ist eine Suchende. Eine, deren Träume Zuflucht bieten. Amelie ist eine Romanfigur, ein ganz normales Dorfmädchen. Jedenfalls auf den ersten Blick. Auf den zweiten ist es ein Mädchen, das tiefer blickt als andere, das eine Welt erlebt, die den meisten Menschen freilich verborgen bleibt.
Trotz mancher Ähnlichkeit, ich bin das nicht", sagt Andrea Zaia über ihre Romanheldin und lächelt. "Sie ist eine Kunstfigur, deren Geschichten ich erfunden habe, was nichts daran ändert, dass sich solche Geschichten auch im wirklichen Leben abspielen können." Amelies Träume stecken voller Symbolik, sind bevölkert von skurrilen Typen.
Als Andrea Zaia den Gedanken formulierte, die Geschichte um Amelie aufzuschreiben. sich an ein Buch zu wagen, ist sie zunächst vor ihrer Courage erschrocken. "Ich dachte, das kann ich doch gar nicht", sagt sie, "aber dann habe ich einfach angefangen." Und das ging flott vonstatten. Gradlinig und ohne Schnickschnack erzählt die Autorin "Amelies geheime Träume", verzichtet auf kunstvoll gedrechselte Sätze, die sich erst beim dritten Lesen erschließen. "Die Akteurin ist ein kleines Mädchen vom Dorf, und ich wollte so schreiben, wie sie ihre Abenteuer erzählen würde." Ein bisschen erinnert ihr Stil an ein Kinderbuch, wie wohl doch das Geschehen so ganz anders erlebt werden kann. Zwischen den Zeilen, sagt Andrea Zaia, sei viel zu entdecken. Was das ist, mag auch vom Alter des Lesers abhängig sein.
Dass ihr das Schreiben flotter von der Hand ging als anfangs geglaubt, mag auch mit ihrer Ausbildung als Lektor zu tun haben. Seit 2001 darf sie Pfarrer vertreten und Gottesdienste abhalten - und dazu muss sie Predigten schreiben. Das lässt sie sich nicht nehmen, weil sie Wert auf eigene Wort legt, wenn es darum geht, eine Botschaft weiter zugeben.
In der Stiegelsgasse in Gospiteroda betreibt Andrea Zaia eine Praxis zur Stabilisierung seelischer und körperlicher Gesundheit. Dafür wirbt sie auch mit schamanischen Techniken. Aha, mag mancher da gleich denken, so eine ist das. Am Sonntag in der Kirche predigen und unter der Woche Warzen besprechen. Darüber kann die Frau nur mit dem Kopf schütteln. "Schamane, das war früher ein wissendes Mitglied der Gruppe, das sich um ihre Gesundheit kümmerte: Die Kinder zu Welt brachte, den Abschied von der Welt zelebrierte und dazwischen für die Schmerzen an Körper und Seele zuständig war", erzählt sie. Manchmal konnten sie helfen, weil sie tiefer blicken konnten als andere, das habe aber nichts mit Zauberei zu tun oder mit Aberglaube.
Ihr Buch, im Selbstverlag aufgelegt, hat Andrea Zaia in in vielen Lesungen vorgestellt. Etliche Exemplare sind verkauft. Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. "Mancher hat mich auf die Tippfehler hingewiesen, die mir leider unterlaufen sind, andere haben gesagt, wie sehr sie die Lektüre berührt hat. Mit sind beide Reaktionen wichtig", sagt Andrea Zaia, die den zweiten Teil von Amelies Erlebnissen längst aufgeschrieben hat.
08.08.2008 Von Klaus-Dieter Simmen

